Der Erbe des Universums

 

WELTCON 2000
IN MAINZ

[Bericht Roman]

Prolog

Nichts ahnend marschiere ich durch das Congebäude und frage mich, welchen Programmpunkt ich mir "reinziehen" soll. Plötzlich springt ein Mann auf mich zu. Mehrere Haarsträhnen hängen ihm wirr ins Gesicht und er wirkt seltsam abgekämpft.

"Ka...ufen! Kau...fen! Nein, zu teuer! Ha, den ... den einen noch, dann habe ich die Serie komplett! HA HA HA!"

Instinktiv trete ich einen Schritt zurück - möglicherweise handelt es sich um eine ansteckende Krankheit. Dann sehe ich mir den Mann genauer an und merke, daß ich ihn kenne.

"Erich! Alles in Ordnung?"

"Ja. Roman, Du schreibst mir eh etwas für NOW!"

Wieder weiche ich nach hinten aus.

"Moment! Davon hast Du vorher aber nichts gesagt. Ich habe weder einen Kuli, geschweige denn ein Blatt Papier mit. Und außerdem, möchte ich den Con genießen."

Wie, als hätten meine Worte sein Bewußtsein nicht erreicht, dreht sich Erich wortlos um und hetzt von dannen.

Kurz überlege ich, ob ich ihm nachlaufen soll. Dann erinnere ich mich, daß man derart Getriebene nicht aufhalten soll und kann. Die entwickeln ja angeblich außergewöhnliche Kräfte. Obwohl, ich könnte mein Kung Fu Training mal wieder in der Praxis anwenden ...

Jedenfalls hat sich Erichs Bitte in meinem Bewußtsein festgesetzt. Und damit erhärtet sich der Verdacht, daß er ein Hypno ist. Wie sonst könnte ich hier sitzen und in die Tastatur hämmern? Schließlich habe ich mir keine Notizen gemacht und trotzdem wage ich mich an eine Con-Zusammenfassung. Und das mit einigen Wochen Verspätung! Wir werden ja sehen, was am Ende dabei herauskommt.

Freitag, 19. Dezember 1999, 14:00 Uhr

Wir, das sind Wolfgang, Cheops, Daniela, Archie, Michael und ich, betreten das Congebäude. Fast alle werfen sich sogleich an/vor/auf/in/unter die Händlertische und beginnen das Material zu durchwühlen, verzweifelt auf der Suche nach Heften, Taschenbücher oder sonstigen Gimmicks, die man noch nicht besitzt. Mitten in diesem Gewühl treffen wir auf die Zugreisenden Thomas und Manfred.

Wolfgang, Thomas, Manfred und ich verschieben die nervenaufreibende Geldausgabe-Aktion auf später und betreten den eigentlichen Conbereich, in dem eifrige Helfer damit beschäftigt sind, letzte Aufbauten fertigzustellen. Gleich beim Eingang läuft uns Klaus B. über den Weg. Er kennt uns Wiener vom Grazer Con und natürlich vom Austria Con II in Wien von vor fünf Monaten. Freundlich begrüßen wir uns.

Stolz erzählt er uns, daß er die Austria Con II Geschenk-Krawatte am Montag nach dem Con im Verlag getragen hat. Die Reaktion war vorhersehbar. Alle glotzten, weil sie Klaus B. noch nie zuvor mit einer Krawatte um den Hals (und sogar richtig gebunden!) gesehen hatten und zweitens wollten sie wissen, wo er die her hatte. Mehr Zeit zum Plaudern bleibt ihm nicht, denn ihn rufen seine Pflichten als Organisator. Das verstehen wir und lassen ihn von dannen ziehen.

Kurz darauf erspähen wir Ernst Vlcek samt Gattin und begrüßen beide ebenfalls. Minuten später finden wir uns im Hauptsaal wieder und bleiben dort für eineinhalb Stunden hängen. Teils staunend, teils lachend verfolgen wir die Probe für die offizielle Eröffnung. Eine absolute Wucht sind die Animationen, die durch die Geschichte der Serie führen. Leider kann mir keiner die Frage beantworten, ob der PR-Online-Club diesen Computerfilm auch verkauft. Wollen wir es hoffen.

Sabine verspricht sich bei der Präsentation von Klaus B. und Reinhard Habeck. Ich hetze Reinhard spaßeshalber gegen sie auf und er geht doch tatsächlich wieder auf die Bühne und korrigiert ihre Präsentation. Bei der tatsächlichen Eröffnung läuft übrigens alles nach Plan.

Nach dem Ende der Probe betreten wir wieder den Ausstellungsbereich und bemerken, daß der Einlaß offiziell bereits begonnen hat. Da wir uns bereits im eigentlichen Conbereich befinden, beschließen wir einstimmig, daß wir absolut keine Lust haben uns nach draußen zu kämpfen und uns dort als 2.759te in die Schlange einzugliedern. Das Problem mit dem Conpackage lösen wir auf unsere Art: Wir gehen einfach vom Conbereich aus zur Kasse, zücken die Eintrittskarten und erhalten so das begehrte Stoffsackerl samt Inhalt.

Dann laufen uns Reinhard Habeck und Andreas Findig wieder einmal über den Weg. Sie werden für den übernächsten Wiener Stammtisch am 4.2.2000 zwangsverpflichtet. Schließlich gibt es etwas zu feiern, was wird an dieser Stelle aber nicht verraten (siehe den Stammtischbericht vom Februar 2000 und die Anmerkung am Ende des Berichtes).

Dann halte ich taktisch klug nach Prominenten aus der PR-Szene Ausschau. Ich erspähe Klaus N. Frick, der bei meinem Anblick zusammenzuckt. Er unterschreibt schnell und flüchtet noch schneller. Na warte, Freundchen.

Ich sehe Arndt Ellmer in der Menge und begrüße ihn. Als regelmäßiger Leserbrief-Schreiber kennt er zwar meinen Namen, nicht aber mein Gesicht - das haben wir hiermit auch geändert! Wir sprechen über die Leserbrief-Verfasser und die Anzahl der Leserbriefe. Dank Internet erhält er nur mehr zehn Briefe mit der Post und sechzig per email.

Erich und ich kommen erneut mit Andreas Findig ins Plaudern. Er erzählt uns über den See unterhalb der Solaren Residenz. Kenne ich bereits, schließlich gab es Band 2000 bei den Händlern vor Conbeginn zu kaufen.

Ich blicke nach rechts - dort steht Sabine Bretzinger und unterhält sich mit einem blonden Mann. Rücksichtslos, wie ich gelegentlich bin, trete ich zwischen die beiden und halte Sabine das Con-Buch unter die rechte Hand. Zwecks Signatur stelle ich meinen breiten Rücken zur Verfügung, was sie erheitert. Außerdem oute ich mich als derjeniger, der sie in einer email zur Atlan-Serie als LKS-Tante bezeichnet hat. Und sie erinnert sich sogar daran - sagt sie zumindest. Wollen wir es ihr glauben. Nach fünf Minuten Smalltalk fällt mein Blick auf den blonden Schweiger neben ihr. "Rainer Löffler" steht auf dem Schild mit dem Buchstaben "E" wie Ehrengast. Löffler, Löffler, der Name sagt mir absolut nichts. Wieso hat der also eine Ehrenkarte?

Als ich ihn frage, stellt sich heraus, daß er vormals Hanczuk geheißen hat. Ah, Traversan-Autor! Und wieder ein Autogramm mehr in der Sammlung.

Um 17:00 Uhr beginnen die ersten Veranstaltungen. Ich entscheide mich für "Lausbiber-Alarm", gehalten von Andreas Findig und Reinhard Habeck. Zuerst erzählen Andreas und Reinhard über die Entstehung und Probleme des Gucky-Kinderbuches. Danach schüttelt Reinhard eine Blitz-Zeichnung von Gucky und Regibold aus der rechten Hand, während Andreas aus dem Buch vorliest. Erstaunt stelle ich fest, daß dreiviertel der Personen im Saal das Buch offensichtlich noch nicht gekauft haben - wie könnten sie nach einem halben Jahr sonst über die Pointen aus dem Buch lachen. Los, Leute, geht und kauft!

Die gegen 19:00 Uhr beginnende Autogramm-Stunde entwickelt sich dank unzivilisierter Fans zum halben Fiasko. Alle drängen von drei Richtungen zu den Autogrammtischen der Autoren. Klarerweise spießt es sich dann in der Mitte. Mit etwas Ellbogentechnik kommt man allerdings zu den wichtigen Kugelschreiberstrichen.

Von der Con-Party bekommen wir nichts mit, da wir bemerken, daß keiner aus unserer Gruppe seit dem Frühstück etwas gegessen hat. Wir setzen uns in eine Pizzeria in der Innenstadt und verwirren den Kellner, der von uns nicht den Namen des Essens, sondern nur die entsprechende Nummer in der Speisekarte wissen will. Gemein wie ich nun einmal bin, revanchiere ich mich bei ihm, als er die ersten Pizzen bringt.

"Pizza Diabolo?"

"Welche Nummer?"

Klarerweise wußte er sie nicht.

Nach diesem Intermezzo betreten wir gegen 23:00 Uhr noch einmal die WorldCon Halle und kommen gerade zur Endveranstaltung zu Recht. Gleichzeitig treffen wir auf Hubert Haensel und seine Frau. Wir kennen uns von Wien und plaudern über den Autoren- und den Abistreß von Manuela, der ältesten Tochter. Ich erfahre, daß beide Töchter in unserem Hotel abgestiegen sind und erzähle etwas von Lärm- und Stöhngeräuschen aus einem Zimmer, und von einem Polizeieinsatz. Ich bekomme den Eindruck, daß sie mich nicht ganz Ernst nehmen. Ach ja richtig, sie kennen mich bereits.

Hubert ist mit dem Laptop unterwegs - ihm fehlen immer noch 120 Seiten des Bully-Buches und der Schluß der Geschichte. Er verrät uns, daß er einen Nachfahren von Bully als Vorfahren einbauen will. Sofort entbrennt eine Zeitparadoxon-Diskussion. Ich glaube, wir haben es ihm damit ausgeredet.

Gegen Mitternacht leert sich der Saal und Klaus N. Frick kann mich überreden, doch nicht die Hilton-Bar zu besuchen. Dort stehen alle Autoren und versuchen ihre wunden Handgelenke mittels Eis und Getränken auszukurieren. Dank der guten Wirkung (vor allem der Getränke) haben sie bis fünf Uhr morgens diese Heiltechniken praktiziert. Angeblich.

Der Rest der Stammtischhorde vertschüßt sich in die Hotelbetten. Der Einzige, der sich zu einem Nachttrunk überreden läßt, ist Thomas. Leider haben wir kein Glück. Das "Irish Pub" ist im Inneren eine einzige Rauchwolke, und das andere Lokal kann man zwar betreten, hat aber eigentlich schon geschlossen. Zerknirscht falle ich schließlich gegen ein Uhr früh ins Bett.

Samstag,20. Dezember 1999, Frühstück gegen 09:20 Uhr

Archie alias Hans, Cheops alias Thomas S., Perry alias Wolfgang, Thomas, Michael R. und ich sitzen beim Frühstück und scherzen über Perry Rhodan. Wolfgang und Michael sind vor uns fertig und verschwinden in Richtung Con-Gebäude.

Archie sieht sie beim Vorbeigehen und winkt ihnen durchs Fenster zu. Vor dem Fenster sitzen zwei junge Frauen und ein Mann, die Archies Geste auf sich beziehen und freundlich zurückwinken. Höflich wie Archie ist, winkt er ebenfalls, diesmal in Richtung der Frauen. Auch wir anderen schicken eine Grußformel hinterher. So verschlafen kann ein Österreicher gar nicht sein, daß er nicht charmant ist, zumindest zu Frauen.

Später erfahren wir von Hubert, daß es seine zwei Töchter waren. Und sofern er das jetzt liest, kennt er nun den wahren Grund, warum seine Töchter von den freundlichen Wiener Perry-Rhodan-Fans am anderen Tisch so herzlich begrüßt wurden. Obwohl, wenn wir vorher gewußt hätten, daß das die Haensel-Mädels sind, hätten wir uns gleich zu ihnen gesetzt. Schließlich soll es ja Leute geben, die solche Kontakte nützen, um Insiderinformationen herauszukriegen.

Zur ersten Veranstaltung "Damals" mit Inge Mahn und Heidrun Scheer komme ich fünfzehn Minuten zu spät. Frau Scheer weiß leider nicht, wie K.H. zum Namen "Handgranatenherbert" gekommen ist. Frau Mahn erzählt, daß sich Ernst Vlcek immer darüber gefreut hat, auf Verlagskosten nach Florida zum Exposè-Kollegen zu reisen. Erst Dr. Marzin kam dahinter, daß man die Verwandtenbesuche von Kurt Mahr für Autorenkonferenzen nutzen kann.

Der Vortrag "Schneller als das Licht: Aus Science wird Fiction" handelt vom "Tunneleffekt". Interessant zu erfahren, was ein Teilchen vor und während der Durchtunnelung so macht. Leider weiß ich (und der Vortragende?) nicht, warum und wie sich das Teilchen entscheidet.

Der Programmpunkt "Die Entwicklung der Technik bei PERRY RHODAN" von Hubert Haensel beginnt mit einer Panne. Richtig, die Verbindung Computer und Projektor funktioniert nicht. Nach etlichen Vorschlägen zur Problembehebung aus dem Publikum findet man als Ursache ein defektes Kabel. Nach dem Austausch geht es los. Wir hören über die unterschiedlichen Triebwerke in der Serie. Im Vordergrund steht das Hypertakt-Triebwerk. Da die Zusammenstellung von Univ.Doz. Prof. Dr. Dr. Rainer Castor stammt, bin ich überzeugt, daß Hubert nicht einmal annähernd weiß, was er da vorliest. Hyperraum-Aufriß-Punkt oder so ähnlich. Auf jeden Fall wird in den nächsten PR-Reports eine wissenschaftliche Abhandlung zu diesem Thema erscheinen. Das Publikum sieht die erste "Rißzeichnung" eines Raumschiffes der ENTDECKER-Klasse, und auch der Größenvergleich zwischen den Raumern war sehr anschaulich.

Um 16:00 Uhr hetzt Hubert weiter zu den "Gesprächen im kleinen Kreis mit den Autoren". Ich hinterher. Geschafft fällt Hubert in den Sessel und blickt die Fans erwartungsvoll an: "Was wollt ihr hören?"

Mein Vorschlag "Wir reden jetzt eine Stunde lang nicht über Perry Rhodan und Bankgeschäfte " stößt auf wenig Zustimmung von den andern.

"Leute habt, ihr nur PR im Kopf!?"

"Ja!"

Nun gut. Hubert erzählt von der Doppelbelastung durch Beruf und Schreiben. Er überlegt noch, ob er das Immobilien- und Finanzgeschäft an den Nagel hängt und ausschließlich Schriftsteller wird. Aber so lange seine beiden Töchter noch nicht auf eigenen finanziellen Beinen stehen, wird er sich wohl den Sachzwängen unterwerfen.

Es gelingt mir, ihn ein wenig aufs Glatteis zu führen. Eine Frage, ob er die aktuellen Hefte liest, beantwortet er mit: "Ich lese im Moment nur eine Ebene, da ich mit dem Bully-Buch immer noch gebunden bin."

"Welche Ebene ist das?"

"Es gibt eine Milchstraßen-Ebene und eine andere. Ich lese die andere.

Zehn Minuten später erzählt er, daß er sich bei seinem nächsten Rhodan-Roman an Bully rächen wird und zwar für die lange Zeit, die das Bully-Buch ihn gebunden hat. Sofort kombiniere ich: "Du hast zuerst gesagt, daß du nicht die Milchstraßen-Ebene liest. Das bedeutet nun, daß sich Bull zu deinem nächsten Roman (gegen 2015) nicht mehr in der Milchstraße aufhält."

Hubert wirft mir einen vernichtenden Blick zu und schluckt kurz. "Führ mich hier nicht aufs Glatteis, Roman!"

War es wahr, oder hat er nur geschauspielert? Solche Fähigkeiten sollen bei einem Bankjob von Vorteil sein - habe ich irgendwo gehört.

Und wieder eilt Hubert weiter. Im Hauptsaal hat die Veranstaltung "Die jungen Wilden" mit Rainer Castor, Uwe Anton und Hubert Haensel bereits begonnen. Herman Ritter, der Moderator, hat sich gut vorbereitet und entpuppt sich nebenbei als richtiges Unterhaltungs-Talent.

Erschrocken vernehmen wir, daß jede Serie bei der Hubert mitgeschrieben hat, eingestellt wurde. Wie war das noch gleich mit Band 3000 der Perry Rhodan-Serie? Uwe und Hubert outen sich als Udo Jürgens Fans. Kein Gelächter im Saal. Weswegen auch? Castor, der hört Rock, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt.

Samstag, 20. Dezember 1999, 19:00 Uhr

Es folgt die eigentliche Präsentation des Bandes 2000. Erneut staune ich über die tolle Animation. Als einer der wenigen habe ich sie insgesamt zweimal gesehen. Tja, man muß nur selbstbewußt am Ordner vorbeigehen und so tun, als gehöre man zur Truppe.

Höhepunkt ist für mich der stehende Abschiedsapplaus für Ernst Vlcek. Initiiert von der österreichischen Abordnung, behaupte ich jetzt einmal so. Wer damit begonnen hat, ist aber auch egal. Wichtig ist, daß wir alle Ernst unsere Hochachtung vor seiner Arbeit erwiesen haben. Und es bewegt ihn sichtlich. Trotzdem können wir ihn nicht umstimmen. Ernst legt mit Band 2000 die Exposè-Arbeit in Robert Feldhoffs Hände. Gott sei Dank bleibt er uns aber als Autor erhalten.

Höhepunkt Nummer zwei ist die Verteilung des Bandes 2000. Ernst und Robert ziehen auf einem Karren fünftausend Hefte von Band 2000 in den Saal. Es wundert mich, daß es bei der Verteilung nicht zu einer Massenschlägerei kommt. Vielleicht, weil alle damit beschäftigt sind, in dem Jubiläumsband zu blättern?

Danach folgte ein Ausblick auf die neue Handlung. Roberts geheimnisvolle Andeutungen machten Lust auf mehr Perry Rhodan.

"Ah, könntet ihr uns nicht auch gleich die weiteren Hefte geben?!" Diesen Gedanken hatte wohl nicht nur ich.

Übrigens fand es die Wr. Stammtisch-Meute ganz toll, daß Ernst und Hubert die Austria-Con II Geschenk-Krawatten, hergestellt von Charly, trugen. Danke, Leute.

Die anschließende Autogrammstunde verdient den Namen nicht, weil es ist keine Stunde, sondern es sind Stunden. Heute bekommen die Autoren wieder einmal den Dank der Leserschaft zu spüren, daß sie so gut schreiben können. Jeder, absolut jeder, will ein Autogramm von ihnen. Mal ehrlich. Schon alleine die Vorstellung, dreitausend Mal seinen Namen zu schreiben, verursacht mir Gelenksschmerzen. Wobei die dreitausend Leute nicht nur ein Autogramm haben wollen. Es soll Personen gegeben haben, die das PR-Erstlingswerk jedes Autors mithatten, zusätzlich zu den Frühwerken und Fanzinestories, etc.

Die Autoren lassen sich trotz dieser verschärften Anforderung die gute Laune nicht verderben. Obwohl ich sehe genau, daß Robert zusammenzuckt, als ich ihm sage, daß ich von seinem Doppelroman über Torr Samaho und die Diener der Materie absolut nichts halte - Mann, war der schlecht! Sekunden später oute ich mich als Spaßvogel. Ich denke, er will auch mal was anderes hören als immer nur Lob über diese beiden guten Romane.

Und schon geht’s weiter zur einzigen Frau in der Schriftstellerrunde, Susan alias Uschi. Sie nimmt Wolfgangs Aufforderung für sein Autogrammbuch zu wörtlich. Originalwortlaut seiner Bitte: "Susan, schreibst du mir bitte eine Widmung."

Die konnte er wirklich haben. Flugs schreibt sie die Wörter "Eine Widmung" ins Buch und reicht es an Hubert weiter. Der, etwas ideenfaul, schreibt einfach von ihr ab. Und damit hat Wolfgang schon zweimal "Eine Widmung" in seinem Buch stehen. Rainer ist in dieser Hinsicht etwas flexibler. Er zaubert ein "dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen" über seine Unterschrift. Soviel zum Thema "Kreativität bei Schriftstellern"

Samstag, 20. Dezember 1999, 21:00 Uhr, Garderobe

Während sich die anderen ihre Jacken, Mäntel und gefüllten Einkaufstaschen holen, gehe ich zu Rainer Hanczuk alias Löffler und quatsche ihn erneut an. Neben ihm steht Frank Borsch und ich bekomme noch ein Autogramm in das Con-Buch. Natürlich rufe ich meinen Freunden zu, daß sich hier zwei Jungautoren verstecken. Sofort werden die jeweiligen Atlan-Hefte gezückt und Autogramme geschrieben. Frank ist ganz fertig, daß die Leute die Hefte mithaben, um sie unterschreiben zu lassen.

Danach stampfen wir einige Zeit durch den Regen. Cheops führt uns zu einem einheimischen Lokal, in dem wir uns bis knapp vor ein Uhr früh bequatschen. Unser Thema ist ... nein, nicht Perry Rhodan, sondern es entwickelt sich eine Art tiefenpsychologische Sitzung. Ein Transkript dieser hochwissenschaftlichen Diskussion kann gegen eine kleine Gebühr von 23 Solar angefordert werden.

Sonntag, 21. Dezember 1999, gegen 09:30 Uhr

Das Con-Veranstalter-Treffen überlasse ich Wolfgang. Daniela unterstützt ihn ohnehin, damit kann ich etwas länger schlafen. Da wir Samstag Abend die Haensel-Töchter Manuela und Claudia offiziell kennengelernt haben, begrüßen wir sie diesmal wirklich beim Frühstück. So, wie war das gestern? Beide sollten den Schultyp tauschen, denn jede ist in den Lernfächern gut, die die andere nicht mag. Tja, soll ja angeblich kein Einzelschicksal sein. Kopf hoch, Mädels, ihr schafft das schon. Alle Perry Rhodan Leser drücken euch die Daumen!

Sonntag, 21. Dezember 1999, 11:00 Uhr

Da wir mit einem großem Interesse am Programmpunkt "Die Space-Jet im Wandel der Zeit" rechnen, besetzen wir rechtzeitig Plätze für die Wiener Abgeordnetengruppe. Dieser Schachzug sollte sich auszahlen. Es ist immer noch besser eine Stunde lang in einem Sessel zu sitzen als zu stehen.

Georg Joergens und Christoph Anczykowski beginnen mit der klassischen Gazelle und arbeiten sich dann langsam zu den neueren Modellen dieses Beibootstyps vor. Eine Weltpremiere ist die Rißzeichnung von Gregor Paulmann, die in Heft 2007 erscheinen wird bzw. mittlerweile erschienen ist.

Sonntag, 21. Dezember 1999, gegen 12:00 Uhr

Alle leisten der Parole "Interview für ZIB 2 vor dem Raumschiffmodell der CREST II" Folge. Dadurch entgeht uns auch nicht, daß Ernst seinen Oberkörper entblößt, und zwar nach Aufforderung der jungen Tontechnikerin. Wolfgang hält diesen Moment für die Nachwelt und Ernsts Frau fest - falls wir mal ein Druckmittel gegen Ernst brauchen. Motto: "Du verrätst uns jetzt sofort die Handlung der nächsten fünfzig Bände, sonst findet deine Frau morgen ein Foto in der Post."

Wolfgang liefert im anschließenden Fan-Interview eine gute Parallele. Er vergleicht Perry Rhodan vom Buchumfang her mit Karl May.

Vor der Haupthalle treffe ich nochmals mit Rainer, Frank und dessen Freundin (Sorry, hab den Namen vergessen) zusammen. Es entwickelt sich ein spannendes Gespräch über die Zukunft der beiden Autoren. Daß eine neue Atlan-Mini-Serie erscheinen wird, ist ja mittlerweile kein allzu großes Geheimnis mehr. Neu sind allerdings die Pläne für eine Fernsehserie außerhalb der PR-Serie. Franks Freundin hat schon konkrete Vorstellungen für die Drehbücher. Es geht um die Verwirklichung einer Serie, die in einem Milieu spielt, das ich nur Großjährigen nennen kann. Wir beginnen ihre Ideen weiterzuentwickeln, was zu Lachsalven führt. Dann ziehen sich Sven Papenbrock, Wolfgang, Michael R. und ich auf die Empore zurück, um etwas zu plaudern.

Die Fragestunde an die Autoren in großer Runde trägt zur Erheiterung bei. Die Autoren bemühen sich, heiklen Fragen mit Humor auszuweichen. Ernst zum Beispiel hat es leicht. Auf alle Exposè-Fragen zieht er sich mit einem "Robert ist schuld, also fragt ihn." aus der Affäre.

Sonntag, 21. Dezember 1999, 14:00 Uhr

Die Abschlußveranstaltung erspart sich die Autofahrgemeinschaft Wien I, da wir in Anbetracht der Wettersituation mit einer massiven Verschlechterung der Straßenlage rechnen. Wir wollen zumindest einen Teil der Strecke bei Tageslicht zurücklegen.

Wie in einem Bericht üblich, folgt nun zuletzt das unvermeidbare Resümee über den WeltCon 2000:

Für die Verantwortlichen im Verlag war klar, daß ein WeltCon nicht bloß eine massive Medienveranstaltung werden darf, sondern, daß es vor allem ein Event für die Fans werden sollte. Es ist dem WeltCon-Verantwortlichen Klaus Bollhöfener vollends gelungen, den Fans einerseits eine Fülle von Informationen über ihr Hobby zu geben und damit Lust auf mehr zu machen und andererseits den Medienvertretern zu vermitteln, daß die Perry Rhodan-Serie keine Schundliteratur ist.

Wichtig war auch, daß man als Fan spürte, daß sowohl die Redaktion wie auch die Autoren die Fans in den Mittelpunkt stellen. Schließlich schreiben alle für die Leser. Ich denke, daß jeder Anwesende die gute Stimmung gespürt und mit nach Hause genommen hat. Ja, es macht Sinn, Perry Rhodan zu lesen. Erstens ist es äußerst spannend, zweitens haben der Verlag und die Autoren einen guten Draht zu den Fans und drittens macht es den Autoren sichtlich Spaß, zu schreiben. Daß sie damit Geld verdienen, ist um so besser.

Anmerkung: Dieser Bericht wurde Ende Jänner 2000 geschrieben und dann auf der Festplatte einfach vergessen. Mittlerweile wurde aus einer Andeutung ein offizielles Faktum: Andreas Findig wurde der nächste Gastautor innerhalb der Perry Rhodan-Serie. Wir gratulieren und sind schon auf den Roman gespannt.
Und das Bully-Buch ist fertig! Gratuliere Hubert! Wie lange hat das jetzt eigentlich gedauert? Egal, Hauptsache ist, Du bist fertig!

 

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