Der Erbe des Universums

 

BETRIEBSAUSFLUG
NACH MAINZ

Der Wr. P.R.-Stammtisch beim WeltCon

 

Prolog

Die Planungen liefen ja schon seit längerer Zeit - fast alle Besucher des Wiener Perry Rhodan Stammtisches wollten sich den ersten WeltCon seit fast zehn Jahren nicht entgehen lassen. Und noch dazu zu diesem besonderen Anlaß! Die Hotelzimmer hatte uns Wolfgang wohlweislich schon lange Zeit vorher reserviert, für das Transportmittel entschieden wir uns erst kurz vor der Abreise. Letztendlich fuhren die meisten von uns doch mit dem Auto - Wien 1 mit Karl Heinz, Milan und Erich; Wien 2 mit Archie, Wolfgang, Daniela, Roman, Michael und Thomas C. (dieses Auto war ein Voyager!); Wien 3 mit Hermann Urbanek und Gerhard. Per Zug waren Franz, Thomas, Heimo und Manfred unterwegs.

Freitag, 17. Dezember 1999

Im Morgengrauen (für Perry Rhodan stehe ich sogar vor fünf Uhr in der Früh auf!) holte mich Karl Heinz zu Hause ab, Milan lasen wir bei einer Autobahntankstelle in der Nähe von St. Pölten auf. Per Handy hielten wir zwar Funkkontakt zu Wien 2, trafen uns aber erst in Mainz vor dem Hotel. Ein Teil von uns wohnte im Ehrenfels, der andere im Ibis, wo auch einige der Ehrengäste wie etwa Andreas Findig, Reinhard Habeck, Jean-Michel Archaimbault oder die Rißzeichner wohnten. Allerdings beanspruchten wir die Zimmer nur zum (kurzen) Schlafen, da wir uns die meiste Zeit am Con-Gelände oder in der Stadt aufhielten.

Nach 800 Autobahnkilometern und über acht Stunden Fahrt waren wir an diesem Freitag Nachmittag noch überraschend frisch, deponierten nur kurz unser Gepäck im Hotel und pilgerten sofort zur Rheingoldhalle, ohne uns mit so unwichtigen Dingen wie etwa einem Mittagessen aufzuhalten (was wir dann später angesichts der trockenen Brötchen und der noch knapperen Zeit zwar bitter bereut haben, aber dieses erwartungsvollen Kribbeln im Bauch hätte uns ohnehin keine Ruhe gelassen).

Noch war es auf den Straßen und rund um das Con-Gebäude relativ ruhig. Es war gerade 15:00 Uhr vorbei, und der Einlaß würde erste eine Stunde später sein. Während Karl Heinz und ich uns ohne Rücksicht auf (Geld-) Verluste ins Perry Rhodan Schlaraffenland stürzten und Milan dem "Bild der Wissenschaft" Stand einen längeren Besuch abstattete, hatte sich die Mann- und Frauschaft von Wien 2 eine halbe Stunde vorher schon zu den Bühnenproben in den Saal hineingeschmuggelt. Mein großer Meinl-Sack füllte sich unterdessen immer mehr, und nach dem dritten Besuch in der Garderobe mußte ich bereits den Reservesack hervorholen. Jetzt weiß ich endlich, was ein Kaufrausch ist. Insbesondere mußten wir natürlich darauf achten, die Menge der Einkäufe und die Höhe der Ausgaben gerade noch unter dem Wert zu halten, der bei unseren Frauen, Freundinnen oder Müttern den Reiz auslösen würde, uns beim Nachhausekommen das Nudelholz auf den Kopf zu donnern.

Die Schlange am Eingang wurde immer länger, doch das ließ uns dank all der Schätze, die im Händlerbereich auf uns warteten, noch ziemlich kalt. Bevor jedoch die Menschenmasse allzu groß und unsere Geldbörsen allzu leer wurden, versammelten sich fast alle Wiener Fans gemeinsam in der Warteschlange. Es gingen bereits vereinzelte Gerüchte herum, wie der Band 2000 aussehen würde, und man zapfte vertrauliche und gewöhnlich gut informierte Quellen an, um mehr zu erfahren. Etwa um 17:00 Uhr drangen wir dann endlich in die große Vorhalle vor, wo uns beim Eingang eine schwarze Umhängetasche mit dem Con-Buch und einem Namens-Badge in die Hand gedrückt wurde. Behängt wie ein Packesel (Con-Tasche; Einkaufssackerl; Fotoausrüstung; Tasche mit Heften und Taschenbüchern zum Signieren; kleine Marschverpflegung) machte ich mich auf den ersten Rundgang. Gemeinsam mit Karl Heinz begann ich, die ersten Autogramme auf speziell angefertigten Blättern einzusammeln. Daneben begrüßte man alte Bekannte, warf einen ersten Blick auf Clubtische und in Vitrinen und versuchte, sich erst einmal etwas zu orientieren. Als es uns allerdings endlich gelungen war, bis zu den kleineren Veranstaltungssälen vorzudringen, waren die meisten Programmpunkte schon vorbei, und so steuerten wir als nächstes die Autogrammbühne an, um die Autoren bei ihrer Handgymnastik zu unterstützen. Es war unwahrscheinlich, wieviele Fans ihre Zeit dafür verschwendeten, um ein paar hingekritzelte Unterschriften zu bekommen und sich dafür auch noch in einer bedrohlich groß wirkenden Menschenmasse bis zur Deformation einquetschen ließen. Ich stand jedenfalls ganz vorne. Bevor es mir jedoch gelang, endlich meine Arme zu bewegen, um in die Tasche zu greifen, wurde die Stoßrichtung der mehrköpfigen Schlange geändert und ich fand mich fast am Ende wieder. Wir ließen uns dahintreiben, bis uns eine gnädige Flutwelle wieder zu den aufgereihten Autoren führte, vorbeispülte und am Ende wieder ausspie. Mehr taumelnd als gehend und etwas derangiert steuerte ich dann ruhigere Gewässer an, nämlich den Briefmarkenstand von Dieter, wo ich etwas plauderte und einige Belege erstand. Bei der Fanzentrale lieferte ich noch das Geld vom aufgelassenen Österreich-Konto ab, und dann war der Tag eigentlich soweit gelaufen. Um acht Uhr trafen sich schließlich etwa ein Dutzend erschöpfter und ausgemergelter Gestalten, um noch gemeinsam Abendessen zu gehen. Bei strömendem Regen irrten wir durch die Nacht und fanden dann ein recht gemütliches italienisches Lokal, in dem wir langsam wieder trocken wurden und zu Kräften kamen. Relativ spät beschlossen wir, unsere Taschen ins Hotel zu bringen und nochmals das Con-Gebäude aufzusuchen. Der Regen hatte noch an Heftigkeit zugenommen (oder anders gesagt: Es schüttete wie mit Schaffeln!), als ich mich mit meinem Zimmergenossen Karl Heinz zum Hotel aufmachte. Nachdem wir gefühlsmäßig so etwa durch die Hälfte aller Gassen von Mainz gegangen waren, stießen wir dann doch noch zufällig auf unser Quartier. Klitschnaß, kalt, müde, gierig auf das Sichten der Einkäufe - selbst wenn jetzt Perry Rhodan höchstpersönlich in der Rheingoldhalle gewesen wäre, hätten mich heute keine zehn Pferde mehr rausgebracht!

Samstag, 18. Dezember 1999

Nach vier Croissants, zwei Schalen Kaffee und einem Müsli ging es heute mit dem "Perry Rhodan Tag" weiter. Pünktlich um 9:00 Uhr fanden wir uns wieder im Händlerbereich ein, und obwohl wir schon ein paar Dutzend Male an den Tischen vorbeigegangen waren, entdeckten wir noch immer etwas. Den Vormittag verbrachte ich kurz im Vortrag "Damals", zum Großteil jedoch im Rheinfoyer. Mit Stammtischfreunden, die man immer wieder traf, flanierte ich an den reichbeladenen Clubtischen vorbei, bestaunte Perry Rhodan Raritäten in mehreren Glasvitrinen oder hielt ein kleines Pläuschchen mit Bolli (trotz Hektik), Frau Haensel, Ernst Vlcek oder Ingrid Bruck. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, einmal Fans kennenzulernen, die ich bisher nur aus dem Internet kannte, wie etwa Guido Eckert. Besonders freute ich mich, einmal Dieter Schröder Wrobel zu treffen und mit ihm bei einem Glas Cola gemütlich zu plaudern. Alexander Ilg traf ich erst beim dritten Anlauf, bei dem ich ihn selbst fragte, wo er denn zu finden sei. Ansonst stellte ich den männlichen Jagd- und Sammeltrieb unter Beweis. Ein weiterer Meinl-Sack füllte sich (der hat immerhin ein gemessenes Volumen von 21.760 Kubikzentimeter!), und die Autogrammblätter wurden auch voller.

Bereits seit dem Morgen wurde unter den Stammtischbesuchern eine Parole durchgegeben: Alle Wiener Fans sollen sich zur Mittagszeit beim Modell der Crest II einfinden, wo ein Kamerateam der ZIB 2 ein Interview machen möchte. Zuerst war natürlich Ernst Vlcek dran, und von der versammelten Meute (sogar Milan war wieder aufgetaucht) wurden Wolfgang und Heimo befragt und waren dann auch wirklich im österreichischen Fernsehen zu sehen.

Den knurrenden Magen besänftigte ich zur Mittagszeit mit einem Stück Schokolade. Wer hatte schon Zeit zum Essen, wenn in Kürze die große Eröffnungszeremonie auf dem Programm stand und man rechtzeitig Plätze besetzen mußte? Nahe bei der Bühne bezogen wir unser Stammtisch-Hauptquartier. Etwa zehn Plätze wurden mit Händen und Füßen verteidigt, auch wenn wir uns einige böse Blicke einfingen, aber wenn man schon gemeinsam kommt, dann will man auch zusammensitzen, macht ja mehr Spaß.

Wolfgang und ich zückten unsere Fotoapparate, als ES und der Gautschmeister der Stadt Mainz die Show eröffneten. Dann kamen der Reihe nach die mitwirkenden Ehrengäste - allen voran natürlich die Autoren - aus einem blinkenden und rauchenden Transmitterbogen auf die Bühne und mußten sich ein paar kurzen Fragen von Sabine Bretzinger und Jo Müller stellen.

Anschließend verstreuten wir uns wieder über das ganze Con-Gelände. Für mich kam jetzt ein spezieller Programmpunkt, vor dem ich, ehrlich gesagt, etwas Lampenfieber hatte. Einen Tag vor der Abfahrt nach Mainz kam ich drauf, daß einer der Ehrengäste Werner Kurt Giesa war, der nicht nur einige P.R.-Taschenbücher und unzählige andere Romane geschrieben hatte, sondern auch der bekannte Professor Zamorra Autor Robert Lamont (seit Band 111) war, also eine kleine Legende sozusagen. Vor 20 Jahren hatte ich seine Romane verschlungen, und so dachte ich mir, das wäre eine gute Gelegenheit, auf diesem Con ein vielleicht etwas anderes Interview für die nächste Ausgabe von NOW! zu machen. Ich hatte mir daheim noch schnell eine Biographie herausgekramt, kurz quergelesen und ein paar Notizen auf einen Zettel geschmiert - zugegeben, eine etwas erbärmliche Vorbereitung für mein erstes Interview, aber es lief ganz gut, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung von Karl Heinz.

Als nächstes standen die jungen Wilden auf dem Programm, und Rainer Castor, Uwe Anton und Hubert Haensel boten den Zuschauern im großen Saal eine recht witzige und unterhaltsame Show. Danach traf ich Hermann, der gerade unterwegs zu seinem eigenen Bühnenauftritt war - er moderierte und erzählte die Geschichte des SF-Fandoms, zu der auch Uwe Anton, Robert Vogel und "Mister Science Fiction" Forry Ackerman (den ich im großen Saal versäumt hatte) ihr Scherflein beitrugen.

Zum großen Ereignis hatten sich wieder alle Wiener Fans und auch der Salzburger Fritz in einer Ecke des Saales zusammengerottet. Wolfgang trieb sich bei der Bühne herum, um einige gute Fotos zu schießen und wir saßen erwartungsvoll da und harrten der Dinge, die da kommen würden. Den Beginn machte eine toller Videoclip, der alle Jubiläumsbände und die Autoren zeigte, im Anschluß zogen Ernst Vlcek und Robert Feldhoff zum Gaudium des Publikums die schwarzglänzende Sonderausgabe des Bandes 2000 auf einem Handwagen in den Saal. Wir bekamen unser Exemplar von "Mister WeltCon" Klaus Bollhöfener höchstpersönlich in die Hand gedrückt.

Die meisten begannen gleich eifrig zu blättern, und im Saal wurde es plötzlich um einige Dezibel ruhiger. Die Stöße auf dem Transportkarren schrumpften rapide, und mit Müh und Not konnte man noch einige Restexemplare vor den sammelwütigen Fans in Sicherheit bringen.

Der eigentlich Höhepunkt des Abends war aber der Auftritt von Ernst Vlcek, der nach über sechzehn Jahren seinen Rücktritt von der Exposé-Redaktion bekanntgab und daraufhin - ausgehend von der Österreicher-Ecke - minutenlange Standing Ovations aller 2700 Saalgäste bekam. Wahrlich eine verdiente Würdigung für Ernst und ein schöner und berührender Moment für alle von uns.

Nach einigen Interviews mit den Autoren und einem Ausblick auf die Handlung setzte der Sturm auf die Bühne ein, denn alle wollten natürlich ihren Band 2000 signieren lassen. Im Anschluß ging es auf der Autogrammbühne im Foyer weiter, allerdings etwas geordneter als gestern. Auch wir mischten uns wieder unter die Menge, um den Autoren-Parcour zu absolvieren, dann brachen wir zum gemeinsamen Abendessen auf - Michael, Franz, Archie, Karl Heinz, Manfred, Daniela, Thomas, Roman, Thomas C., Fritz und ich zogen durch die Innenstadt und fanden schließlich ein annehmbares Lokal.

Wr. P.R.-StammtischWr. P.R.-Stammtisch

Es war zwar etwas kalt, weil wir genau neben der Türe saßen, die jeder offen stehen ließ, der raus und rein ging, aber Archie und ich wechselten uns im Fluchen und Aufstehen ab, und so ging es einigermaßen. Das Gesprächsthema war diesmal nicht Perry Rhodan, sondern die mißverständliche Beziehung zwischen Mann und Frau, das Daniela und Roman vom Zaun brachen und das nach und nach in eine gruppenpsychologische Diskussion mit allgemeiner Beteiligung überging. Angeblich ging das ganze noch bis in die Morgenstunden, die meisten hatten sich aber kurz vor Mitternacht verabschiedet und schafften es auch heute nicht, noch einmal zum Con-Gebäude zu kommen.

Sonntag, 19. Dezember 1999

An diesem Morgen waren alle ein bißchen später dran als an den Tagen zuvor. Heute wollten wir den Con noch gemütlich ausklingen lassen und alles ein bißchen gemächlicher angehen. Karl Heinz und ich versuchten am Vormittag, noch einige Rißzeichner aufzuspüren, von denen uns noch Unterschriften fehlten, während die Autogrammbühne wieder von hunderten Fans in einer endlosen Schlange belagert wurde. Der Andrang war so groß, daß sogar die Schlußveranstaltung um eine Stunde verschoben werden mußte. Nur einen Schilling für jede Unterschrift auf diesem Con, und der Wiener P.R.-Stammtisch hätte damit wahrscheinlich seine komplette Reise finanzieren können! Zwischendurch besuchten wir auch einige der Vorträge, etwa über Ren Dhark oder Raumschiff Promet. Wolfgang, Daniela und einige andere nahmen am Treffen der Con-Veranstalter teil, um etwas Werbung für einen eventuellen Wien-Con zum 40. Geburtstag der P.R.-Serie zu machen.

Heute konnte ich meinem Magen nichts mehr bieten, nicht einmal mehr einen Schokoriegel. Die ersten Leute verabschiedeten sich bereits, da äußerst schneereiches und eisiges Wetter angesagt war. Auch die Stammtischkollegen, die mit dem Zug angereist waren, mußten schon zeitiger aufbrechen.

Zum Finale war der Saal nur mehr zu etwa zwei Drittel gefüllt. Alle Autoren hatte auf der Bühne Platz genommen und stellten sich den Fragen, die von den Fans am Tag zuvor auf kleinen Kärtchen abgegeben worden waren. Klaus N. Frick hatte einige davon ausgewählt und es machte ihm sichtlich Spaß, die Kollegen damit zu quälen. Vor allem die Frage von Roger Lynch - wer sich noch erinnert, das war der berühmt-berüchtigte Fragesteller von Garching - las er besonders genüßlich vor.

Im Anschluß wurden noch ein letztes Mal alle Ehrengäste des Cons auf die Bühne gerufen, um ein gelungenes Wochenende mit tosendem Applaus ausklingen zu lassen, und auch die Fans erhielten von der Perry Rhodan Crew Beifall. Andreas Findig bekam von Klaus eine spezielle Erwähnung: "Von diesem Mann werden wir in Zukunft noch einiges zu hören bekommen." Das Poltern, das wir jetzt hörten, war jedoch nur der Stein, der vom Herz unseres Klaus "Bolli" Bollhöfener gefallen war!

Epilog

Dann mußten wir uns sputen. Wien 2 war bereits vor dem Finale abgefahren, und auch wir hatten es jetzt schon eilig, lag doch eine gewaltige Strecke vor uns. Schnell noch einige Verabschiedungen, Jacke und Sackerl holen und los geht es - oder auch nicht. Zunächst war Karl Heinz verschollen, und dann mußten wir Milan suchen, der sich gerade am BdW-Stand von Laura verabschiedete. Trotz der Verzögerungen und einer kurzen Pause bald nach der Abfahrt, in der wir komplett ausgehungert in einem Hamburger-Restaurant einfielen, gelang es uns, bis auf eine halbe Stunde zu Wien 2 aufzuschließen. Auf der Autobahn herrschte zeitweise Schneetreiben, aber das winterliche Katastrophenwetter konnten wir haarscharf umfahren und kamen gegen 23:00 Uhr wohlbehalten in Wien an. Einige Minuten danach sah alles natürlich ganz anders aus - ihr wißt schon, das Nudelholz ...!

 

Der Perry Rhodan WeltCon 2000 - DAS Ereignis des Jahres! Eine Nachlese.

Cons+Events Zurück in den Bereich "Cons und Events"