Der Erbe des Universums

 

DER NEUE AUTOR
ANDREAS FINDIG

 

Als im Herbst 1998 auf dem Austria Con II in Gleinstätten das erste Mal der Name "Andreas Findig" fiel, konnten wohl noch die wenigsten der P.R.-Fangemeinde etwas damit anfangen. "Das ist einer der Österreicher, die sich unter den zehn Besten des Willi Voltz Kurzgeschichtenwettbewerbes plazieren konnten", munkelten die einen, während andere den vielseitigen und in seinem Metier bereits länger tätigen Autor auch schon von vorangegangenen Veröffentlichungen her kannten.

Im Jänner 1999 besuchte er gemeinsam mit Leo Lukas das erste Mal den Wiener Perry Rhodan Stammtisch und war auch dort bald gerne gesehener Gast. Nun, der Rest dürfte wohl hinlänglich bekannt sein: Gucky-Kinderbuch - Atlan-Story im Traversan-Zyklus - Perry Rhodan Gastautor - Autorenkonferenz - Teamautor. Mittlerweile dürfte jeder Perry Rhodan Fan mit mindestens drei "Findigs" ausgestattet sein, und viele haben ihren literarischen Hoizont über den P.R.-Tellerrand hinaus noch mit "Gagarins Galaxis" oder "Gödel geht" erweitert. Und es ist anzunehmen, daß Klaus N. Fricks Ankündigung auf dem WeltCon in Mainz auch weiterhin Gültigkeit haben wird: "Von diesem Mann werden wir noch einiges zu hören bekommen!"

Andreas und Ernst
Andreas Findig und Ernst Vlcek
beim Wiener Perry Rhodan Stammtisch

 

NOW!:

Im Perry Rhodan Forum hat sich einer Deiner Fans etwas gewundert, daß Du aufgrund Deiner "literarischen Vorgeschichte" jetzt Perry Rhodan Romane schreibst. Deshalb gleich meine provokante Einstiegsfrage: Ist Perry Rhodan für Dich ein Aufstieg oder ein Abstieg?

A. Findig:

Weder ein Abstieg (wie kommst Du denn auf die Idee?), noch ein Aufstieg (das schon eher), auch kein Umstieg, sondern einfach nur eine Verbreiterung meiner literarischen Möglichkeiten. Außerdem natürlich die Erfüllung eines Jugendtraums. Ein Freund von mir hat gemeint: "Das ist ja fast, als wenn Du als Junge immer davon geträumt hast, Astronaut zu werden, und dann wirst Du's wirklich." Der kennt die "Mühen der Ebene" nicht, na ja (jedenfalls nicht diese). Tatsache ist, daß ich diese Trennung in E- und U-Literatur einfach dämlich finde. Im angelsächsischen Raum ist es durchaus üblich, daß hochkarätige Leute z.B. mal kurz eine "Star Trek"-Folge schreiben. Warum sollte es nicht möglich sein, "hochliterarische" Erzählungen wie z.B. in meinem letzten Buch "Gödel geht" zu schreiben - und auch noch PERRY RHODAN? Ich werde mich jedenfalls bemühen, daß es zumindest für mich immer möglich bleibt. Und ich werde mich bemühen, einiges von dem, was ich in der "Hochliteratur" gelernt habe, in PR einzubringen. Das ist auch durchaus im Sinn der Redaktion.

NOW!:

Seit wann weißt Du, daß Du ins Perry Rhodan Autorenteam aufgenommen wurdest und seit wann dürfen es die Fans offiziell wissen?

A. Findig:

Daß mich KNF und Robert gerne im Team hätten, habe ich ziemlich bald nach der Ablieferung von 2016, "Die Einsamen der Zeit", erfahren. Da wurde ich dann ja auch schon zur Autorenkonferenz nach Rastatt eingeladen, bei der es für die andern Autoren ebenfalls offiziell wurde. Reaktion EV: "Lieber Klaus, ich danke Dir, daß Du den Andreas ins Team geholt hast! Jetzt bin ich endlich nicht mehr der kleinste ..." Aber es war nicht seine einzige Reaktion, damit hier nix falsch verstanden wird. Zum zweiten Teil Deiner Frage: Offiziell bekannt gegeben wurde es erst am 20. Juni 2000. Gewisse Fans wußten es aber schon ein bißchen länger - nicht wahr, ERIC?

NOW!:

[hüstel, hüstel]
Welche Romane wirst Du in nächster Zeit für die Serie schreiben?

A. Findig:

Nach 2033, "Tod im Türkisozean", war einer in der Viererstaffel am Ende der 40er geplant. Dann habe ich aber sehen müssen, daß sich das für mich zeitlich nie und nimmer ausgeht, bei den Projekten, an denen ich im Moment arbeite. Also wird der nächste erst wieder um 2060 herum kommen. Überhaupt habe ich die Redaktion gebeten, mich eher sparsam einzuplanen. Es gibt da einige größere Schreibprojekte, die ich endlich mal durchziehen will. Also: Ich bin zwar Teamautor, sehe mich aber zur Zeit eher als so eine Art "Stammgast" ... ;-)

NOW!:

Wieviel Prozent Deiner Arbeitszeit nimmt Perry Rhodan in Anspruch? Bleibt Dir genug Zeit für andere Projekte?

A. Findig:

Siehe oben. Sie muß mir einfach bleiben. Weil es mir sonst auch gar keinen Spaß mehr machen würde. Und bei aller ernsthaften Arbeit, die das Mitschreiben (dürfen) an einer so ungeheuer komplexen SF-Serie bedeutet, will ich mir einen gewissen Spaß immer erhalten. Weil der im Text dann auch rüber kommt - oder eben nicht ...

NOW!:

Du hast im Perry Rhodan Universum eine "Blitzkarriere" hingelegt: Storywettbewerb – Gucky-Buch – Atlan-Story – Perry Rhodan Gastautor - Stammautor. Andere Autoren haben sich früher jahrelang in Nebenserien hochgearbeitet. Warst Du der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

A. Findig:

Sieht ganz so aus. Da hat einiges einfach zusammengepaßt. Es war auch sicher nicht ganz unwichtig, daß ich mit KNF von Anfang an "konnte" - und er mit mir. Den solltest Du das auch besser fragen ...

NOW!:

Du kommst mit Deinen Arbeiten ja eher aus der Phantastik-Ecke der Literatur. Könntest Du Dir vorstellen, auch für andere Literaturgattungen zu schreiben, also zum Beispiel Horrorgeschichten oder Liebesgeschichten?

A. Findig:

Andere Literaturgattungen interessieren mich auf jeden Fall. Horror allerdings weniger. Und Liebesgeschichten: Na ja, wart mal 2033 ab ... J

Ich schreib ja zum Beispiel auch Kinderbücher, historische Erzählungen und Romane faszinieren mich sehr - und in die Richtung wird’s bald mal was von mir geben. Und dann ist da ein Genre, auf das ich mich noch sehr intensiv stürzen möchte: Krimis! Hätte nichts dagegen, mal einen "Tatort" zu schreiben - wenn die mich lassen ...

NOW!:

Du warst vor kurzem auf der Perry Rhodan Autorenkonferenz. Mit welchen Vorstellungen bist Du dort hingefahren und wie wurdest Du aufgenommen?

A. Findig:

Bis zuletzt gab es irgendwo im Hinterkopf den nagenden Zweifel: "Wollen mich die auf den Arm nehmen?" Schließlich hatte ich gerade erst meinen Gastroman, "Die Einsamen der Zeit" geschrieben - und nun sollte ich schon so mirnixdirnix auf den Olymp von Rastatt. Ich muß gestehen, daß ich wirklich nervös war. Ernst Vlcek hat mir viel von dieser Nervosität genommen. Ich bin ja mit ihm gemeinsam nach Frankfurt geflogen und dann im Zug weiter, sodaß wir viel Zeit hatten, uns auszutauschen. Da war's dann endgültig klar: "Die meinen das tatsächlich ernst! Und sogar vlcek!" ;-) Das traurige ist nur, daß ich vieles von dem, was mir EV auf dieser Reise so anvertraut hat, wohl mit ins Grab nehmen werden muß. Ein Jammer!

Die Konferenz selbst war eine Offenbarung. Erstens ist keiner, aber wirklich keiner aus dem Team (Autoren und Redaktion) irgendwie von Dünkeln angeweht, von wegen er sei was Besseres oder so. Und dann habe ich erleben können, daß PERRY RHODAN tatsächlich das ist, was immer wieder behauptet wurde: Teamarbeit! Die Entscheidungsprozesse, was die zukünftige Handlung betrifft, liefen extrem demokratisch ab, und ich hatte keine einzige Minute das Gefühl, daß irgend etwas von dem, was ich selbst beizutragen hatte, weniger wichtig oder ernst (bzw. vlcek) genommen wurde, nur, weil ich ein völliger Neuling bin. Im Gegenteil.

Also: Aufnahme extrem herzlich. Arbeit extrem konstruktiv. Und den geselligen Teil der Sache, den es ja auch gegeben hat - nun, über den möchte ich lieber den Paratron des Schweigens legen ... J

NOW!:

Wie reagierst Du auf negative Kritik? Steckt man das einfach weg, trifft einem das? Denkt man sich dann, das hätte ich besser machen können? Weiß man überhaupt, was man hätte besser machen können?

A. Findig:

Differiert von Fall zu Fall. Und hängt auch sehr vom Tonfall und der Intention des Kritikers ab. Es wäre jedenfalls gelogen, wenn ich sagen würde, daß ich sowas einfach wegstecke. Es gibt Leute, die sagen: "Das und das hat mir nicht gefallen, dort und da habe ich den und den sprachlichen Schnitzer gefunden, die und die Unebenheit, diesen oder jenen logischen Fehler." Dann sehe ich mir das an, und wenn die Leute recht haben, denke ich mir: "Mist! Wieder mal zu wenig genau gearbeitet. Mußt du beim nächsten Mal besser machen ..."

Jemand der einfach nur sagt "Text XY von Andreas Findig ist Sch***", oder sogar überhaupt "Andreas Findig ist Sch***", der läßt mich zwar sicher nicht kalt, aber ich versuche, diese Art von "Kritik" so schnell wie möglich zu vergessen. Mehr hat sie nämlich nicht verdient.

NOW!:

Wenn man die Werke anderer Autoren liest, kann man nachher sagen – "Der Roman hat mir gut gefallen" oder "Der Roman hat mir nicht gefallen". Inwieweit kann man seine eigenen Geschichten selbst beurteilen?

A. Findig:

Hauptsächlich mit zeitlichem und emotionalem Abstand. Und das ist natürlich auch der Grund, warum Lektoren, Testleser usw. so wichtig sind. Ich persönlich kann, während ich mitten in einer Arbeit stecke, nur sehr sehr schwer beurteilen, was daran gut und was weniger gut ist.

(Fällt Dir auf, daß ich den Begriff "schlecht" gar nicht verwendet habe? ;-))

Wenn ich mir einen Text ansehe, den ich vor ein paar Monaten geschrieben habe, fällt mir meistens ziemlich schnell auf, wo ich gepatzt habe. Und ich wundere mich immer wieder darüber, wie mir sowas passieren konnte. Da gibt’s eben wirklich so eine Art "Betriebsblindheit" während des Schreibens selbst. Und deshalb habe ich ein paar Freunde - allen voran aber meine Frau Iris -, die ich dauernd mit meinen Elaboraten nerve, während sie noch in Arbeit sind. Auch für PERRY RHODAN. (An dieser Stelle: Danke, Michael Marcus! Danke, Leo!)

NOW!:

Viele Autoren wollen irgendwann einmal ein "Lebenswerk" schaffen. Wie schaut das bei Dir aus?

A. Findig:

Genauso. Aber über ungelegte Eier sollte man nicht sprechen ...

NOW!:

Hast Du Vorbilder?

A. Findig:

Jede Menge! Die Liste wäre jetzt wirklich ziemlich lang. Zumal sie sich immer wieder mal ändert. Und außerdem sind meine Vorbilder auf dem Gebiet der SF natürlich andere als zB. in der "reinen" Phantastik. Wer fällt mir spontan so ein? Aldiss. Vonnegut. Pratchett. Calvino. Marquez. Kafka. Borges. Twain. Boyle. T.H. White. Lem. Kotzwinkle. Ballard. Bradbury. Burgess. Farmer. Sterling. Rushdie. Ransmayr. Bernhard. Robbins (Tom!), Arno Schmidt, Konrad Bayer ... usw. usw.

Ein ziemliches Durcheinander, ich weiß. Aber so siehts nun mal aus in meinem Kopf ... J

NOW!:

Wie sieht es bei Dir mit Freizeit oder Urlaub aus? Du hast ja Dein Handwerkszeug – also Deinen Kopf – ständig bei Dir. Kann man da sagen, ich arbeite jetzt einmal zwei Wochen überhaupt nichts? Gibt es bei Dir "geregelte Arbeitszeiten"?

A. Findig:

Geregelte Arbeitszeiten: Das soll wohl ein Witz sein? Es ist schon vorgekommen, daß ich über 30 Stunden am Stück am Computer gesessen bin. Ich bewundere Autoren, die sagen können: Von da bis da schreib ich an Manuskript 1, dann Mittagessen, dann schreib ich von da bis da an Manuskript 2. Sowas kann ich nicht. Wenn das "Werkl" rennt, muß man's ausnützen. Bis zum Umfallen. Daß da der Tagesablauf etwas chaotisch werden kann, ist klar. Glücklicherweise ist meine Frau ganz ähnlich gestrickt. Und sie läßt mich in Ruhe, wenn ich meine "Rote Pudelmützen"-Zeit habe. Das heißt dann: Bitte nicht stören! Mich gibt’s gar nicht! Niemand zu Hause! Unser Kater (Sir) Lancelot akzeptiert das leider überhaupt nicht. Der will gerade dann ausgiebig gekrault werden. Und hockt gerade dann mit Vorliebe direkt auf dem Manuskript, an dem ich gerade arbeite ... J

Also: Für zwei Wochen abschalten, das geht wirklich nicht. Aber für zwei Tage, das ist schon drin. Und was den Urlaub betrifft: Wir fahren und fliegen ziemlich ausgiebig in der Weltgeschichte herum. Allein schon deshalb, weil wir uns beide sehr für Archäologie interessieren. Aber wir interessieren uns durchaus auch für andere Sachen. Rumhängen. Gutgehenlassen ... J

NOW!:

Wie gehst Du mit "Schreibblockaden" um? Wie sehen Deine "Rezepte" gegen Termindruck aus?

A. Findig:

Teil 1: Da gibt es verschiedene Methoden, die helfen (und manchmal nicht). Lange Spaziergänge (zum Beispiel den Donaukanal entlang, hinaus in den Prater, runter zur Donau) durchlüften das Gehirn und lösen manchmal ein paar Knoten. Wenn die Knoten etwas gordischer sind, fahre ich auch einfach für ein paar Tage aufs Land und versuche, die ersten ein, zwei Tage überhaupt nicht ans Schreiben zu denken. Wenn ich mich danach an den Laptop setze, geht’s oft leichter. Ich arbeite auch gerne mit Assoziationslisten, an denen ich so lange herumschreibe, bis es irgendwo "Klick" macht und das "Werkl" wieder zu rennen beginnt.

Teil 2: Zum Leidwesen z.B. von KNF hab ich da keine. Ich leide fürchterlich darunter. Gehört echt zum schlimmsten in einem Schriftsteller- und Journalistenleben. Aber irgendwie geht es sich dann doch immer aus ...

NOW!:

Was wird man von Dir in naher Zukunft außer Perry Rhodan sonst noch zu sehen oder zu hören bekommen?

A. Findig:

Es wird einen SF-Roman außerhalb des PR-Universums geben. Außerdem zwei neue Kinderbücher und in - hoffentlich! - halbwegs absehbarer Zeit einen historischen Roman über die Etrusker.

NOW!:

Auf welches Werk Deiner schriftstellerischen Laufbahn bist Du am meisten stolz?

A. Findig:

Auf mein letztes Buch, "Gödel geht". Und auf mein nächstes. Aber wie das heißt, sage ich noch nicht. J

 

Lieber Andreas, vielen Dank für das Interview. Zum Abschluß gibt es noch einen kleinen "Word Rap":

« Perry Rhodan Fans: Manchmal ein bisserl anstrengend. Besonders die Hüter der "wahren" Lehre. Wie hieß es doch bei Douglas Adams: "Größtenteils harmlos" ;-)
« City-Marathon: Wahnsinnige! ;-)
« 8 Uhr morgens: Schlafe ich.
« SOS aus dem Weltraum: Zum Wiehern.
« Krieg der Sterne: Gut gemacht. Ein bißchen simpel, aber gut gemacht.
« Gucky: Sollte bald mal wieder ein paar Ilts (und mindestens eine Iltin) finden.
« Song Contest: Igitt!
« Paiper: Isn das?
« Big Brother: Exhibitionistische Ratten im Käfig. Na ja, wems gefällt ..
« Perry-Comics: Waren witzig, spritzig, sexy. Sollte es eigentlich wieder geben.