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![]() 60 JAHRE
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Lieber Ernst! Liebe Familie Vlcek! Liebe Gäste!
Nachdem uns die erste Überraschung offensichtlich gelungen ist (Anm.:
Ernst war völlig entgeistert, als er den Saal betrat und so viele zum Teil
alte Bekannte erblickte), haben mich meine Mitstreiter vom Stammtisch
gebeten, ein paar unpassende Worte zu sprechen.
Ursprünglich hätte diese Rede unter dem Motto "Ausgebrannte
Galaxien säumten seinen Weg ..." stehen sollen, aber ich glaube, das
hätte doch dem friedfertigen Charakter unseres Jubilars widersprochen.
Da gibt es also jemanden, der ist der wahrscheinlich meistgelesene und
meistverlegte Autor Österreichs und trotzdem blüht er
gewissermaßen im Verborgenen. Die Öffentlichkeit und die Medien
nehmen keine Notiz von ihm. Auch für viele seiner Leser ist er nur ein
Name am Titelbild seiner Romane. Es stellt sich daher die Frage: Wer ist
eigentlich dieser Ernst Vlcek?
Nun ist es bei Laudationes oft geübter Brauch, den Lebenslauf des
Betroffenen nachzuerzählen, dann ein paar launige Worte, vielleicht sogar
einige Anekdoten zum Besten zu geben und das war´s dann. So leicht wollte
ich es mir aber doch nicht machen, auch aus einem anderen Grund, auf den ich
später noch komme. Hauptsächlich jedoch deshalb, weil man Ernst Vlcek
eigentlich sehr einfach beschreiben kann: Er ist ein Mensch, der sein Leben in
die Hand genommen hat, sich nicht hat treiben lassen und der sein
natürliches Talent genützt hat.
Aufgewachsen ist er in einem der klassischen Arbeiterbezirke Wiens, im
sogenannten zehnten "Hieb" (Wiener Slang-Bezeichnung für
Arbeiterbezirk), in Favoriten. Man kann also nicht unbedingt von den
vielversprechendsten Startvoraussetzungen sprechen. Wer weiß, Vielleicht
wäre unter anderen Umständen auch der Weg zum erfolgreichen Gangster
möglich gewesen. Allerdings zeigt sich schon während der Schulzeit,
daß dieser Ernst eine große Begabung hat - nämlich Geschichten
zu erzählen.
Mir hast Du das bei einem Interview einmal mit den Worten geschildert:
"Bei mir war es so: Stil "sehr gut", Rechtschreibung "nicht
genügend"." Ich kann Dich an dieser Stelle aber beruhigen: auch
letzteres hat sich in der Zwischenzeit gebessert.
Der junge Ernst hat also ein natürliches Talent zu schreiben. Und von Anfang an faszinieren ihn außerdem die Sterne. So macht er das naheliegendste, er beginnt mit Science Fiction-Geschichten. Er findet Gleichgesinnte, die ihm helfen und ihn auch kritisieren, er feilt an seinem Talent, schreibt wie ein Besessener neben Beruf und Familie, er läßt nicht locker. Es stellen sich auch bald erste Erfolge ein, er findet Verleger, kann sein Talent kommerziell nutzen, er erhält einen Preis als bester Deutschsprachiger Nachwuchsautor. Aber immer hat er seinen großen Traum vor Augen - eines Tages hauptberuflich Schriftsteller zu sein. Und schließlich bietet sich ihm die große Chance: er erhält die Gelegenheit, an der größten Science-Fiction-Serie der Welt, bei PERRY RHODAN mitzuschreiben. Er nützt diese Möglichkeit auch und wird bald einer der beliebtesten Autoren, nicht mehr wegzudenken aus dem Team. Daß er so nebenbei noch an mindestens vier anderen Serien geschrieben bzw. diese zum Teil sogar selbst entwickelt hat, sei hier nur am Rande erwähnt.
Aufgrund seiner Qualitäten als Schriftsteller war es daher nicht verwunderlich, daß er einige Jahre später die nächste große Chance bekam: er war dazu ausersehen, nach dem tragischen Tod von Willi Voltz die Führung der PERRY RHODAN-Serie zu übernehmen und hatte diesen Posten dann sechzehn Jahre lang inne, länger als jede andere vor ihm. Es ist fast schon überflüssig zu erwähnen, daß er auch diese Aufgabe mit Bravour gelöst hat. Wir hier in Österreich bedauern seinen freiwilligen Rückzug aus dem Exposé-Team jedenfalls heute noch.
Will man Ernst Vlcek umfassend würdigen, was im Rahmen einer solchen Rede aufgrund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ohnehin Illusion ist, so darf man sich aber nicht auf seine berufliche Tätigkeit beschränken. Denn unser Ernst ist auch ein Mensch, dem - bei aller Liebe zum Beruf - die Familie über alles geht. Für mich hat sich das sehr schön an einer Begebenheit gezeigt, die er mir ebenfalls bei einem Interview erzählt hat. Nach dem Tod von Willi Voltz war ihm neben der Aufgabe als Chef-Autor auch der sicher gut dotierte Redakteursposten der Serie angeboten worden, bzw. hätten diese beiden Aufgaben miteinander verbunden werden sollen. Allerdings hätte er dazu nach Deutschland übersiedeln müssen. Ernst lehnte ab, denn das wollte er seiner Familie nicht antun.
Aber auch eine gesellige Ader hat er, unser Ernst. Da möchte ich als
Beispiel nur eine Geschichte erzählen, von der er mir gesagt hat "Die
ist so wahr, wie nur etwas wahr sein kann". Es begab sich im Zuge einer
Autorenkonferenz vor vielen Jahren. Man arbeitete an der Hotelbar hart bis in
die frühen Morgenstunden, angeblich soll sogar Alkohol getrunken worden
sein. Jedenfalls hast Du Dich am nächsten Morgen gegen den Versuch von
Kurt Mahr, Dich zu wecken mit der Begründung gewehrt, es sei erst sechs
Uhr und noch dunkel. Was Du aber nicht gewußt hast, war: es war bereits
sechs Uhr abends und schon wieder finster.
Deine gesellige Art und Deine Herzlichkeit hat Dir aber auch bei Deinen Fans
immer große Beliebtheit beschert. Du bist immer bereit gewesen auf andere
zuzugehen und Kontakt mit deinen Lesern und Fans zu halten. Das ist keineswegs
selbstverständlich und ist Dir wirklich hoch anzurechnen. Wer Dich, so wie
wir, im gemütlichen Beisammensein erlebt hat, Dein Durchhaltevermögen
kennt, aber auch Dein hintergründiges Lächeln, wenn Du Fragen nicht
beantworten wolltest oder durftest, der weiß, was ich meine. Im
übrigen hat es bisher kein anderer Autor geschafft, bei Diskussionen so
unverfroren zu behaupten, keine Ahnung von PERRY RHODAN zu haben, und dabei
gleichzeitig derart unschuldig dreinzuschauen wie Du, von einem gewissen
schelmischen Funkeln in den Augen einmal abgesehen.
Ich möchte Dir an dieser Stelle daher auch im Namen unseres ganzen
Stammtisches einmal dafür danken, daß du uns das wohl Wertvollste
geschenkt hast, das ein Mensch hat - Deine Zeit.
Ein Bekannter von mir hat einmal gesagt "Das Wichtigste, das man
über jemanden sagen kann, ist, daß er ein anständiger Mensch
ist". Lieber Ernst, was das betrifft, so kann ich Dir eines
bestätigen: es haben Deine Familie, Deine Freunde, aber auch Deine Leser
und Fans wirklich einen Haupttreffer mit Dir gemacht.
Was nun Deinen Geburtstag betrifft, so sind wir vor einem besonderen Problem
gestanden: Was schenkt man einem Mann, der alles hat (Wehe, es ruft jetzt einer
Penicillin!)? Du hast einen Beruf, der für Dich gleichzeitig Berufung ist,
Du hast eine wunderbare Familie, die heute in drei Generationen anwesend ist,
Du wirst von deinen Lesern geschätzt; da war es gar nicht so leicht, etwas
Adäquates zu finden. Der Übeltäter, der uns dann auf die
richtige Idee gebracht hat, sitzt da hinten im Saal. Es ist der Andreas Findig.
Er hat uns nämlich im letzten März einen Floh ins Ohr gesetzt, der
uns in weiterer Folge unter dem Codenamen "Unternehmen Tattergreis"
bis heute beschäftigt hat. Du hast uns mit Deinen Geschichten und Deinen
Bücher so viele frohe Stunden gegeben. Da war es naheliegend, auch Dir ein
Buch zu schenken - aber eines, das Deine Geschichte, zumindest bis zum heutigen
Tag, erzählt. Wir dürfen Dir daher dieses Buch überreichen,
dessen Entstehen uns im letzten dreiviertel Jahr ganz gewaltig auf Trab
gehalten hat und ich darf Michael (gemeint ist Michael Marcus Thurner)
bitten, es zu enthüllen.
Jetzt kann ich übrigens auch den zweiten Grund nennen, warum ich Deine
Biographie nicht bloß nacherzählen wollte - man kann sie
nämlich, dank unseres "Mittäters" Hermann Urbanek,
detailliert in diesem Buch nachlesen. Und wer unseren Hermann kennt,
weiß, daß in diesem Fall "detailliert" auch
tatsächlich dieses bedeutet. Solltest Du jedenfalls irgendwann einmal mehr
über Dich erfahren wollen, in diesem Buch kannst Du es nachlesen.
Das Ganze war natürlich ein streng geheimes Projekt, denn einerseits
wollten wir Dich damit überraschen und andrerseits uns natürlich auch
nicht die Gaudi verderben, Dein Gesicht zu sehen, wenn Du das Buch
überreicht bekommst. Unnötig zu erwähnen, daß sich auch
Dein eigen Fleisch und Blut voll Begeisterung mit uns verbündet hat, wenn
es darum gegangen ist, an wichtiges privates Material für die Recherchen
heranzukommen.
Lieber Ernst, Ich hoffe, Du hast an diesem Buch ein wenig Freude und verzeihst uns unser kleines Versteckspiel. Aber du siehst ja: Man wird nicht ungestraft sechzig! In diesem Sinne nochmals alles Gute!