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"Werbung, allg. die absichtl. und zwangfreie Form der Beeinflussung menschl. Willensentschließung und Meinungsbildung ... Die Absatzwerbung (Werbung i. e. S.) gilt im Wirtschaftsbereich als wichtiges absatzpolit. Instrument, das alle Maßnahmen der Herstellung, Anwendung und Verbreitung von Werbemitteln umfaßt, die zum Kauf von Gütern bzw. Dienstleistungen anregen sollen. Werbemittel in diesem Sinne sind z. B. Anzeigen, Plakate, Drucksachen, Kataloge, Werbefilme, Verkaufsgespräche, Vorführungen, Ausstellungen, Werbegeschenke. Werbeträger, wie Zeitungen, Zeitschriften, Litfaßsäulen, Hörfunk und Fernsehen, Verkehrsmittel, Sportlertrikots, veröffentlichen Werbemittel bzw. bieten sich als sog. Streumedien dar."
(Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden; Band 24)
Während die einen mit der Werbung ihr tägliches Brot verdienen, wird sie von anderen verflucht, weil dadurch Spielfilme immer gerade an der spannendsten Stelle unterbrochen werden. Kann man diese Werbeeinschaltungen im Fernsehen bestenfalls als Toiletten-Pause nutzen (im Kino kommt man einfach später), so hat man im gedruckten Medium wenigstens die Möglichkeit, einfach darüber hinweg zu blättern - obwohl auch das schon nicht immer so einfach möglich ist: In manchen Heyne-Taschenbüchern wird Werbung so geschickt in den Text integriert, daß man erst nach ein oder zwei gelesenen Absätzen dahinterkommt, daß man sich nicht mehr in der eigentlichen Geschichte befindet (z. B. in Farmers "Das Dungeon").
Letztendlich geht es jedoch bei der Werbung nur um eines: GELD - Geld für die Produzenten der beworbenen Waren und Dienstleistungen und Geld von den Produzenten für die Publizierer der Werbung bzw. für die Medien, in denen sie erscheint. Unbestritten bleibt jedoch, daß etliche Projekte ohne Finanzierungsmittel aus der Werbung nicht möglich wären.
Und dann wird die Werbung von einigen Firmen zur Kunst erhoben oder stellt sogar einen eigenen Geschäftszweig dar. Man denke dabei nur an Werbefotos des Starfotografen Helmut Newton für eine Baumarktkette oder an eine Unterwäschefirma, die ihre Werbebilder mit leichtbekleideten Damen auf Postern und Telefonwertkarten erfolgreich zum Kauf anbietet - nachfolgend ein kleines Beispiel:
Wie soll nun der Bogen zu Perry Rhodan geschlagen werden? Nun, das ist an dieser Stelle gar nicht so schwierig. In Zeiten der "Flowerpower" erschienen öfters halbnackte weibliche (und auch männliche!) Wesen in den Perry Rhodan Romanen, die für bestimmte Produkte den geneigten SF-Leser gewinnen wollten.
Werbung ist immer ein Sittenbild der Zeit, in der sie erscheint. Und gerade das trägt IMHO teilweise zum besonderen Flair alter P.R.-Romane bei. Puristen begnügen sich nicht (nur) damit, die P.R.-Geschichten etwa in den Silberbänden zu lesen, sondern sind vom "Gesamtwerk" fasziniert - dazu gehören eben das Titelbild, die Leserbriefe, der Report, der leicht modrige Geruch von altem Papier und eben - die Werbung. Gab es anfangs noch seitenweise Werbung für zum Teil lachhafte und äußerst entbehrliche Produkte, beschränken sich die Anzeigen heutzutage hauptsächlich auf Eigenwerbung des Verlages und Werbung für die artverwandten Produkte, die den Fan auch interessieren.
Den Anfang der Betrachtungen macht natürlich - die Nummer 1 aus dem Jahre 1961!
Juri Gagarin startet mit dem Raumschiff WOSTOK I zum ersten bemannten Raumflug um die Erde, während die DDR-Regierung im August aus Beton und Stacheldraht die Berliner Mauer errichten läßt. Der Kongo versinkt im Blut und Amerika erlebt ein Jahr der Rassenunruhen. Und irgendwo setzten sich ein paar Männer zusammen, um einige SF-Heftromane zu schreiben, die einmal das Prädikat "größte Weltraumserie der Welt" tragen sollten.
Im Perry Rhodan Heft Nummer 1 finden sich insgesamt 16 Werbungen, die sich folgendermaßen verteilen:
KATEGORIE | WERBUNG FÜR | FIRMA | TEXTAUSZUG |
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FREMDWERBUNG |
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Gesundheit/ Schönheit |
Abstehende Ohren | A-O-BE-Labor | Anliegende Ohren in 5 Minuten um DM 9,80 |
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Aufbaunahrung | Apotheker Haugg | ... bringt die Intelligenzanlagen zur vollen Entfaltung ... |
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Haarprobleme | Haarkosmet. Labor | ... täglich begeisterte Dankschreiben .. |
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Heim-Expander | Fischbach | Kraftvolle Figur, Erfolg, Bewunderung um nur DM 22,50 |
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Alkolit | Pohlers | Vorbeugung gegen Trunksucht, geruch- und geschmackl. Kurpack.ung um DM 7,50 |
Bildung | Gesellschaftl. Umgang | Urand | Bücher über Tanzen, Plaudern (Liebesgespräch und Flirt), Liebesbrieferstellung (175 vorzügliche und vollständige Liebesbriefe, wirken bezaubernd) |
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Sprachen | Zickerts | Fernunterricht mit ständiger Kontrolle des Könnens |
Hobby | Briefmarken | Alpen-Philatelie | Auswahlen anfordern |
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Schallplatten | Rhein-Hansa | 4 Platten 6,- DM: Mit 17; Ramona; Muß i denn; O sole mio |
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Photographie | Photo-Porst | Markenkameras - bei nur einem kleinen Fünftel Anzahlung; Postkärtchen genügt ... |
Gebrauchsgegenstand | Uhr | Fischbach | Mit Selbstaufzug; Automatic-Kalender- Uhr; für den Herren |
Sport | Fahrräder | Müller | Fahrräder ab 2,- DM |
Kleidung | Blue-Jeans | Heger | Echte amerikanische Farmer-Hosen |
Spiel | Lotto | Krutsch | Wer keinen Treffer erzielt, kann meine wertvolle Lotto-Erfolgsmethode für nur ein Zehntel des Preises behalten ... |
EIGENWERBUNG |
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Hefte u. Sonderbände | Terra |
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Hefte | Perry Rhodan |
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Demnach sich Werbung ja immer an eine bestimmte Zielgruppe richtet, ist also nicht schwierig, den typischen Perry Rhodan Leser des Jahres 1961 zu charakterisieren:
Aussehen: Der typische P.R.-Fan ist männlich, etwa 20 bis 30 Jahre alt und leidet bereits an Haarausfall. Die Statur ist schmächtig (Bauchansatz möglich), gekrönt von abstehenden Ohren (auf gut wienerisch würde man sagen: ein "Zniachtl"). Verhalten: Der P.R.-Fan ist ein Mensch, der neben den P.R.-Romanen noch Briefmarken sammelt und Schlager hört. Freundin hat er keine (vielleicht wegen der Ohren), kann aber sowieso nicht tanzen, und flirten muß er auch erst lernen. Er trinkt schon mal öfters einen über den Durst und kommt spät nach Hause. Er geht zwar immer in Blue Jeans und hat nur ein Fahrrad, aber irgendwann einmal macht er den großen Lotto-Treffer! |
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